CAD × KI
Agentic CAD Run 2: Spritzguss-Brief, komplettes Doku-Paket
Veröffentlicht am 7. Oktober 2026 · ca. 7 Min. Lesezeit
Die Kritik an KI-CAD-Demos ist scharf, und sie hat einen Punkt: Ein hübsches 3D-Modell ist ein kleiner Teil der Wahrheit. Zeichnungen, Stückliste, Montagereihenfolge, Fertigungstauglichkeit: Genau da hören die meisten Demos auf. Diesmal nicht. Ich habe dem Agenten den Prozess mitgegeben und das komplette Paket erwarten lassen. Das Ergebnis ist unten herunterladbar, jede Datei unbearbeitet.
Das Setup: ein Brief, Prozessvorgabe inklusive
Claude Opus 5.5 saß per MCP in meiner laufenden CAD-Session. Ein Brief, dieses Mal mit dem entscheidenden Unterschied zum ersten Pi-4-Test: Der Fertigungsprozess stand drin.
Pol-montiertes Raumbuchungs-Schild. Raspberry Pi 4, 7-Zoll-Touchdisplay, zweiteiliges ABS-Gehäuse. Fertigungsprozess: Spritzguss.
Beim letzten Run fehlten die Entformungsschrägen, weil das Modell den Prozess nicht erraten kann. Diesmal bekam es den Prozess genannt. Und hat entsprechend geplant.
Was zurückkam, neben dem CAD
- Fünf Blätter Fertigungszeichnungen für Einzelteile und Assembly.
- Eine BOM mit Lieferanten-Part-Numbers und Bezugsquellen-Links, bis hinunter zu den Heat-Set-Inserts.
- Ein Assembly-Guide mit Anzugsmomenten, Aushärtezeiten des Klebers und einer Service-Prozedur.
- Ein DFM-Check gegen die Design Rules des Spritzers: Draft, Wandstärken, Rippen, Bosse, dreiseitige Side-Actions.
- Snap-Fits mit Dehnungsberechnung statt Bauchgefühl.
Beim letzten Run habe ich fehlende Draft-Angles bemängelt. Diesmal wurde der Prozess im Brief genannt, und das Design wurde für den Prozess gemacht. Meistens.
Was die Prüfung fand
Verschwindet die Arbeit, oder verschiebt sie sich nur? Beides: Das Konstruieren ist weg, dafür bin ich der Prüfer. Was die Prüfung gefunden hat:
- In jedem Dokument stehen sieben Snap-Hooks. Das Modell hat acht. Die Dokumentation hat die Revision nicht mitgezogen.
- Das Toppart hatte keine Draft-Angles auf den Außenflächen. Im Spritzguss wäre das Teil nicht sauber entformt worden.
- In einigen Ecken liegt zu viel Material, das hätte zu Sink Marks führen können.
Ich habe die Punkte als Revisionen zurückgegeben: Draft-Angles auf beiden Gehäuseteilen, korrigierte Hook-Zahl. Das Ergebnis: gefixt, ohne dass sich etwas anderes bewegt hat. Diese Enge der Änderung ist vielleicht der unterschätzteste Teil des Runs.
Auf meinem Schreibtisch geblieben sind die Preise: Einige Lieferanten-Seiten blockieren automatisierte Abfragen, also blieb die Angebotseinholung bei mir. Insgesamt habe ich 1 Stunde für Prüfen, Revisionen, Angebote und das DFM-Feedback des Herstellers gebraucht.
Zeit und Kosten, ehrlich aufgeschlüsselt
| Position | Wert |
|---|---|
| Aktive Agentenlaufzeit gesamt | 3 h 9 min |
| Erste komplette Version (Modell, BOM, Guide, Zeichnungen) | 1 h 37 min |
| Drei Design-Revisionen (Draft auf beiden Teilen, Hook-Zahl) | 46 min |
| Tokens gesamt / Calls | 222 Mio. / 472 |
| Davon Wiederelesen des eigenen Kontexts | 98,8 % |
| Neu geschriebene Tokens | rund 730.000 |
| Meine Zeit (Prüfung, Quotes, DFM) | 1 h |
| Plan | regulärer Pro-Plan |
222 Millionen Tokens klingen absurd. Die Zahl ist trotzdem die ehrlichste Beschreibung des Arbeitens eines Agenten: Er liest sich fast alles immer wieder selbst neu ein. Geschrieben hat er nur etwa 730.000 Tokens. Opus 5.5 hat in diesem Run rund 99 Prozent der Modellierzeit eingespart, und die Revisionen waren sauber. Eingegriffen in die Geometrie musste ich null Mal.
CAD-Daten zum Projekt
Alle Dateien stammen 1:1 aus dem Agentenlauf, inklusive der gefundenen Fehler (siehe oben). Perfekt für einen Blick hinter die Kulissen dessen, was heute aus einem Brief herausfällt.
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STEP: Front Bezel (RPS-100-01)step
Vorderteil mit Display-Cutout, ABS. Parametrisch, direkt aus dem Agentenlauf übernommen.
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STEP: Rear Shell (RPS-100-02)step
Hinterteil mit Snap-Hooks, Insert-Bossen und Polhalterung, ABS. Unbereinigt, wie der Agent ihn erzeugt hat.
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Fertigungszeichnungen (5 Blätter)pdf
Einzelteile und Assembly mit Bemaßung, Toleranzen und GD&T-Angaben.
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BOM mit Lieferanten-Links (Excel)xlsx
15 Positionen mit Supplier-Part-Numbers und Bezugsquellen bis hinunter zu den Heat-Set-Inserts.
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Assembly-Guide (9 Seiten)pdf
Montagereihenfolge mit Anzugsmomenten, Aushärtezeiten des Klebers und Service-Prozedur.
Freie Nutzung für eigene Projekte und Evaluierung. Weiterverkauf der Daten oder Nutzung für eigene Angebote an Dritte bitte zuerst kurz abklären.
Was noch offen ist
Ist das Teil spritzbar, prüfbar, montierbar? Das zeigt der Testdruck, der gerade läuft. Das Feedback des Herstellers zum Modell sieht bisher vielversprechend aus. Die nächste Frage, die ich in künftigen Runs prüfen will: Lässt sich das Modell auch für Design for Cost nutzen, also nicht nur fertigungsgerecht, sondern kostenoptimiert konstruieren?
Fazit
Der Unterschied zwischen Demo und Werkzeug liegt im Brief: Wer den Prozess nennt, bekommt Geometrie für den Prozess. Wer nur ein Teil anfordert, bekommt ein Bild von einem Teil. Die Arbeit hat sich verschoben, weg vom Konstruieren, hin zum Prüfen und Bewerten. Und genau dieses Prüfen ist das, was ich einbringe: Sieben Hooks im Dokument und acht im Modell findet der Agent allein nicht. Ich konstruiere Gehäuse, die im Prototyp funktionieren und in der Serie gebaut werden können. Ob mit agentischer Unterstützung oder klassisch, entscheide ich pro Projekt.

Anton Steenken
B.Eng. · Hardware R&D Engineer · Gründer von engineer your idea
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Beides ist ein Weg, entscheidend ist ein fertigungsgerechtes Design. Ich bewerte KI-Entwürfe, bringe sie auf Spritzguss-Niveau oder konstruiere konventionell. Erstgespräch kostenlos und unverbindlich.
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