Spritzguss
Spritzguss Kosten: Was ein Gehäuse wirklich kostet
Veröffentlicht am 13. Juni 2026 · ca. 5 Min. Lesezeit
Die Frage, die mir in jedem Erstgespräch gestellt wird: Was kostet ein Spritzguss-Werkzeug? Die ehrliche Antwort: Es kommt darauf an. Aber es gibt klare Richtwerte, mit denen Sie kalkulieren können.
Die drei Kostenblöcke im Spritzguss
Spritzguss-Kosten setzen sich aus drei Teilen zusammen, die Sie immer getrennt betrachten sollten:
- Werkzeugkosten (einmalig) – Die Spritzgussform selbst
- Stückkosten (pro Teil) – Material, Maschinenzeit, Zykluszeit
- Nebenkosten – Werkzeugänderungen, Qualitätssprüfung, Lagerung
Werkzeugkosten: Die große Investition
Das Spritzguss-Werkzeug ist der größte Einzelposten. Die Kosten hängen von Größe, Komplexität und Standzeit ab:
- Kleine Form (bis 50 cm²): 3.000 – 8.000 €
- Mittlere Form (50–200 cm²): 8.000 – 25.000 €
- Große/ komplexe Form: 25.000 – 80.000+ €
Tipp: Aluminium-Werkzeuge kosten 30–50 % weniger als Stahl und reichen für 500–5.000 Teile völlig aus. Für die meisten Hardware-Startups ist das der sinnvollste Einstieg.
Stückkosten: Was jedes Teil wirklich kostet
Der Stückpreis im Spritzguss sinkt mit steigender Stückzahl dramatisch. Für ein typisches Gehäuse (PA6-GF30, 50g):
- 100 Teile: 8 – 15 €/Stück
- 1.000 Teile: 2 – 5 €/Stück
- 10.000 Teile: 0,50 – 1,50 €/Stück
Der Grund: Die Werkzeugkosten werden auf die Stückzahl umgelegt. Ab ca. 500–1.000 Teilen wird Spritzguss günstiger als 3D-Druck oder CNC.
5 Faktoren, die den Preis treiben
- Komplexität der Geometrie – Hinterschnitte, schiefe Ebenen, ausgefallene Kernzüge
- Oberflächenqualität – SPI-A1 (spiegelnd) kostet mehr als SPI-D2 (matt/strukturiert)
- Material – Technische Kunststoffe (PA, PPSU) sind teurer als Standard (PP, ABS)
- Toleranzen – Je enger die Toleranz, desto teurer die Formbearbeitung
- Werkzeugstandort – China: 40–60 % günstiger, aber längere Lieferzeit und Kommunikationsaufwand
Wann lohnt sich Spritzguss?
Die Faustregel: Ab 300–500 Teilen lohnt sich Spritzguss, wenn die Teile in Serie produziert werden sollen. Darunter sind 3D-Druck oder CNC-Fräsen fast immer wirtschaftlicher.
Der Break-even-Point hängt von der Teilekomplexität ab. Für einfache Gehäuse kann Spritzguss schon ab 200 Teilen günstiger sein. Für komplexe Geometrien erst ab 1.000+.

Anton Steenken
B.Eng. · Hardware R&D Engineer · Gründer von engineer your idea
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