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Prototyping

Prototyping-Kosten im Vergleich: 3D-Druck, CNC, Silikonform

Veröffentlicht am 22. Juni 2026 · ca. 5 Min. Lesezeit

Der erste Prototyp ist der Moment der Wahrheit. Plötzlich wird aus einer CAD-Datei ein greifbares Teil – und genau hier zeigt sich, ob Konstruktion und Funktion zusammenpassen. Aber welches Fertigungsverfahren passt zu Ihrem Budget und Ihrer Anforderung? Diese Übersicht gibt Ihnen eine ehrliche Orientierung.

Kostenvergleich nach Verfahren

FDM-Druck/

10–30 €/Teil/

Lieferzeit: 1–2 Tage · Niedrige Festigkeit, sichtbare Schichtstruktur

SLA-Druck/

30–80 €/Teil/

Lieferzeit: 1–2 Tage · Gute Oberfläche, hohe Detailgenauigkeit

SLS-Druck/

50–150 €/Teil/

Lieferzeit: 2–3 Tage · Hohe Festigkeit, keine Stützstrukturen nötig

CNC (Kunststoff)/

80–250 €/Teil/

Lieferzeit: 3–5 Tage · Serienreale Materialien (POM, PA, ABS)

CNC (Aluminium)/

150–500 €/Teil/

Lieferzeit: 3–7 Tage · Serienah, exzellente Maßhaltigkeit

Silikonform (Vakuumguss)/

50–120 €/Teil (Formherstellung: 800–3.000 €)/

Lieferzeit: 5–10 Tage · 10–50 Teile, gute Oberfläche

Rapid Tooling (Alu-Werkzeug)/

3.000–8.000 € Werkzeug/

Lieferzeit: 2–4 Wochen · 500–5.000 Teile, seriennahes Spritzgussverfahren

Entscheidungsmatrix: Welches Verfahren für welche Situation?

Ich brauche morgen ein Gehäuse

→ SLA-Druck (glatt, schnell, 30–80 €)

Das Teil muss 50 kg tragen

→ CNC Aluminium (belastbar, serienah)

10 Teile für einen Feldtest

→ SLS-Druck (stabil, keine Stützen, ~80 €/Teil)

Investor will ein serienreifes Produkt sehen

→ CNC + Nachbearbeitung (anodiert, lackiert, ~400 €/Teil)

Ich will das Originalmaterial testen

→ CNC aus Originalmaterial (PA6, POM, ABS)

Budget ist sehr knapp

→ FDM-Druck (günstigste Option, Passtests möglich)

Kostenfaktoren, die oft vergessen werden

Der reine Stückpreis ist nur ein Teil der Rechnung. Folgende Posten treiben das Prototyping-Budget oft stärker als erwartet:

  • Nachbearbeitung – Schleifen, Lackieren, Montage und Lackierung können 30–50 % der Gesamtkosten ausmachen.
  • Design-Iterationen – Selten trifft der erste Entwurf. Rechnen Sie mit 2–4 Iterationen pro Prototyp.
  • Materialverschnitt – Besonders bei CNC fallen bis zu 60 % des Rohmaterials als Späne an.
  • Versand und Logistik – Express-Versand aus Fernost oder innerhalb Europas kann 50–200 € pro Sendung kosten.

Break-even: Wann wird Spritzguss günstiger?

Prototyping-Verfahren sind pro Teil fast immer teurer als Spritzguss. Aber die Werkzeugkosten amortisieren sich erst bei ausreichend hohen Stückzahlen.

Faustregel: Ab 300–500 Teilen lohnt sich der Spritzguss.

Darunter sind 3D-Druck oder CNC fast immer wirtschaftlicher – auch wenn der Einzelpreis höher ist, entfallen die hohen Werkzeuginvestitionen.

Tipp: Verfahren kombinieren

Die besten Ergebnisse erzielen Sie, wenn Sie nicht auf ein einziges Verfahren setzen:

  • Erste Iterationen im 3D-Druck – schnell und günstig, ideal für Form- und Passtests.
  • Finale Funktionsmuster in CNC – serienah und belastbar, geeignet für Investoren und Zertifizierung.

So sparen Sie 40–60 % des Prototyping-Budgets, ohne Kompromisse bei der Qualität des Endmusters.

Anton Steenken

Anton Steenken

B.Eng. · Hardware R&D Engineer · Gründer von engineer your idea

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